Illustratives Bild für den Blogartikel: Verlustaversion im B2B Sales

Go-to-Market ohne Funnel

Der klassische Funnel prägt noch immer, wie viele Unternehmen Marketing und Vertrieb denken. Doch Kaufentscheidungen entstehen heute nicht mehr linear, sondern in dynamischen, vernetzten Prozessen. Wer Go-to-Market weiterhin als Funnel versteht, optimiert an der falschen Stelle. Und wer Outbound erfolgreich einsetzen will, muss zuerst verstehen, wie Entscheidungen heute tatsächlich entstehen.

Veröffentlicht am 7. April 2026

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Looping Outbound

Warum Go-to-Market neu gedacht werden muss und wo Outbound heute wirklich ansetzt

Wenn über Outbound gesprochen wird, drehen sich die meisten Diskussionen um die falschen Dinge. Es geht um bessere Copy, neue Tools, höheres Volumen oder optimierte Sequenzen. Alles berechtigte Themen, aber sie greifen zu kurz.

Denn sie setzen voraus, dass das grundlegende Modell noch stimmt.

Die eigentliche Frage ist jedoch eine andere: Passt unser Verständnis von Go-to-Market überhaupt noch zu der Realität, in der Kaufentscheidungen heute entstehen?

Viele Unternehmen arbeiten noch immer mit einem linearen Modell, das über Jahre hinweg gut funktioniert hat. Der Funnel. Aufmerksamkeit erzeugen, Interesse aufbauen, Vertrauen entwickeln und daraus Schritt für Schritt Nachfrage formen. Ein sauber strukturierter Prozess mit klaren Phasen, klaren Übergängen und klaren Verantwortlichkeiten.

Dieses Modell ist tief verankert, nicht nur in Tools und Dashboards, sondern auch im Denken. Es strukturiert Budgets, Teams, KPIs und Erwartungen. Nur beschreibt es die Realität immer weniger.

Wie Kaufentscheidungen heute tatsächlich entstehen

In den letzten Jahren hat sich fundamental verändert, wie Menschen sich informieren, vergleichen und entscheiden. Was früher ein relativ klarer Weg war – von der ersten Suche bis zur finalen Entscheidung – ist heute ein fragmentierter, dynamischer Prozess.

Recherche beginnt nicht mehr zwingend bei Google. Sie passiert in AI-Systemen, in sozialen Netzwerken, in Communities oder über Empfehlungen von Personen, denen man vertraut. Antworten werden vorweggenommen, Optionen werden gefiltert, Perspektiven entstehen oft, bevor überhaupt ein direkter Kontakt mit einem Anbieter stattfindet.

Ein großer Teil dieser Interaktionen bleibt für Unternehmen unsichtbar. Er findet außerhalb von Websites, außerhalb von Analytics und oft auch außerhalb dessen statt, was im CRM jemals abgebildet wird. Gleichzeitig nimmt die Zahl der direkten Website-Besuche ab, weil Informationen zunehmend direkt in Suchumgebungen oder AI-Interfaces bereitgestellt werden.

Das Ergebnis ist ein Paradox: weniger sichtbare Interaktion, aber höher informierte Käufer.
Wenn heute jemand auf ein Unternehmen trifft – sei es über Inbound oder Outbound – bringt diese Person häufig bereits ein gewisses Maß an Kontext mit. Sie hat sich mit dem Problem beschäftigt, kennt mögliche Lösungsansätze und hat oft schon eine erste Meinung gebildet.

Das bedeutet nicht, dass die Entscheidung gefallen ist. Aber es bedeutet, dass sie längst begonnen hat.

Vangates.com Grafik Buyer Journey

Heutige Realität: Looping

VangatesVangates.com Grafik Pyramide

Altes Funnel-Modell

Warum der Funnel diese Realität nicht mehr erklärt

Der Funnel basiert auf einer einfachen Annahme: dass es einen klaren Einstiegspunkt gibt und dass sich Menschen von dort aus durch definierte Phasen bewegen.

Genau diese Annahme wird zunehmend brüchig.

In der Praxis sehen wir heute etwas anderes. Kaufentscheidungen verlaufen nicht entlang einer Linie, sondern entwickeln sich in Schleifen. Menschen springen zwischen Kanälen, kehren zu Themen zurück, vergleichen erneut, lassen sich beeinflussen, verwerfen Optionen und greifen sie später wieder auf.

Ein potenzieller Kunde kann heute:

eine Empfehlung hören

Wochen später ein AI-Tool nutzen

danach Inhalte auf LinkedIn sehen

anschließend mit einem Anbieter sprechen

und dann wieder in die Recherche gehen

All das ist kein Ausnahmefall, sondern zunehmend die Norm. Es gibt keinen klaren Anfang mehr. Und oft auch keinen klaren, nachvollziehbaren Verlauf.
Der Funnel versucht, Ordnung in diesen Prozess zu bringen. Aber er vereinfacht ihn dabei so stark, dass er an Erklärungskraft verliert.

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Go-to-Market muss neu gedacht werden

Wenn Kaufentscheidungen nicht mehr linear verlaufen, kann auch Go-to-Market nicht mehr linear gedacht werden.

Das bedeutet nicht, dass Struktur oder Planung obsolet werden. Im Gegenteil. Aber die Art der Struktur verändert sich. Statt eines klar definierten Pfades braucht es ein System, das mit Dynamik umgehen kann.

Ein modernes Go-to-Market-Verständnis basiert nicht mehr darauf, Menschen durch Phasen zu führen, sondern darauf, in relevanten Momenten präsent zu sein. Es geht weniger um Kontrolle und mehr um Anschlussfähigkeit. Weniger um Planung im Voraus und mehr um kontinuierliche Anpassung.

Unternehmen müssen lernen, mit Unsicherheit zu arbeiten. Sie müssen akzeptieren, dass nicht jeder Touchpoint sichtbar ist und dass nicht jeder Einfluss messbar gemacht werden kann. Gleichzeitig müssen sie ihre Fähigkeit stärken, Muster zu erkennen, Signale zu interpretieren und schnell darauf zu reagieren.

Das verändert die Rolle von Marketing und Vertrieb gleichermaßen.
Und genau hier kommt Outbound wieder ins Spiel.

Was das für die Rolle von B2B Outbound bedeutet

Outbound wird traditionell am Anfang des Funnels verortet. Als Instrument, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Gespräche zu initiieren. In einem linearen Modell ist das logisch.

In der heutigen Realität ist es jedoch zu kurz gedacht.

Outbound trifft heute selten auf Menschen oder Unternehmen, die sich ganz am Anfang ihrer Entscheidungsfindung befinden. Viel häufiger trifft es auf Kontexte, die bereits in Bewegung sind. Auf Situationen, in denen intern schon diskutiert wird, in denen Informationen gesammelt wurden und in denen sich erste Präferenzen gebildet haben.

Das verändert die Funktion von Outbound grundlegend. Outbound startet keine Nachfrage mehr. Es tritt in bestehende Entscheidungsprozesse ein.

Und genau daraus ergibt sich ein anderer Anspruch.
Es geht nicht mehr darum, Interesse zu erzeugen, sondern Relevanz zu beweisen.

Nicht mehr darum, Aufmerksamkeit zu gewinnen, sondern Anschluss an einen bestehenden Kontext zu finden. Das ist anspruchsvoller, aber auch wirkungsvoller.

Warum „kalte Leads“ ein überholtes Konzept sind

Der Begriff „Cold Outreach“ hält sich hartnäckig, weil er aus einer Zeit stammt, in der Informationsasymmetrie noch größer war. Anbieter wussten mehr als potenzielle Kunden. Entsprechend war es möglich, und oft notwendig, Wissen zu vermitteln und Bedarf aufzubauen. Heute ist diese Asymmetrie weitgehend verschwunden.

Die meisten Käufer haben Zugriff auf eine enorme Menge an Informationen. Sie nutzen AI, lesen Erfahrungsberichte, tauschen sich aus und kommen oft mit einem sehr klaren Bild in erste Gespräche. Was im CRM als „kalt“ erscheint, ist in der Realität häufig alles andere als das.

Der Kontakt ist vielleicht neu, der Kontext ist es nicht.

Und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen im Outbound: Dieser Kontext ist oft nicht sichtbar. Er muss erschlossen werden.

Vom Kanal zur Systemlogik

Wenn Outbound nicht mehr der Startpunkt ist, kann es auch nicht mehr isoliert betrachtet werden.

Es ist kein einzelner Kanal, keine Sequenz und keine Kampagne. Es ist Teil eines Systems, das verschiedene Elemente miteinander verbindet: Signale, Inhalte, Touchpoints, Timing und Kommunikation.

Ein solches System funktioniert nicht über starre Abläufe. Es lebt davon, dass es kontinuierlich angepasst wird. Dass Hypothesen getestet, Muster erkannt und Entscheidungen iterativ verbessert werden.

Das bedeutet auch, dass klassische Kampagnenlogiken an ihre Grenzen stoßen. Monate im Voraus geplante Maßnahmen sind oft zu langsam, um auf reale Entwicklungen zu reagieren. Stattdessen gewinnt die Fähigkeit an Bedeutung, schnell zu lernen und umzusteuern.

Outbound wird damit weniger planbar – aber nicht weniger steuerbar.
Im Gegenteil: Es wird präziser, weil es stärker an der Realität ausgerichtet ist.

Was sich konkret in der Umsetzung verändert

Diese Verschiebung hat direkte Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Outbound umgesetzt wird.

Zum einen rückt Timing in den Mittelpunkt. Nicht im Sinne von „Wochentag und Uhrzeit“, sondern im Sinne von situativer Relevanz. Wann ist ein Unternehmen offen für ein Gespräch? Welche internen oder externen Faktoren sorgen dafür, dass sich gerade etwas bewegt?

Zum anderen verändert sich der Anspruch an Kommunikation. Generische Botschaften funktionieren immer schlechter, weil sie keinen Bezug zum tatsächlichen Kontext herstellen. Gleichzeitig reicht auch oberflächliche Personalisierung nicht aus. Relevanz entsteht nur dann, wenn die Ansprache an die konkrete Situation anschließt.

Hinzu kommt die Bedeutung von Präsenz. Outbound ist nicht mehr nur eine einzelne Nachricht, sondern Teil eines Gesamtbildes. Ein potenzieller Kunde reagiert nicht isoliert auf eine E-Mail, sondern auf die Summe der Eindrücke, die er zuvor gesammelt hat.

Und schließlich gewinnt die Fähigkeit zur Iteration an Bedeutung. Was heute funktioniert, kann morgen schon an Wirkung verlieren. Erfolgreiche Teams arbeiten deshalb nicht mit starren Playbooks, sondern mit flexiblen Systemen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln.

Warum viele B2B Outbound-Ansätze scheitern

Oft versuchen B2B Unternehmen, ihre Ergebnisse zu verbessern, indem sie innerhalb des bestehenden Modells optimieren. Sie testen Betreffzeilen, verfeinern ihre Sequenzen oder erhöhen ihre Aktivität. All das kann kurzfristig Effekte haben.

Langfristig stößt es jedoch an Grenzen, wenn das zugrunde liegende Verständnis nicht mehr zur Realität passt.

Denn wenn Outbound weiterhin so gedacht wird, als würde es einen Prozess starten, dann wird es zwangsläufig an der falschen Stelle eingesetzt. Es adressiert ein Problem, das so nicht mehr existiert – und übersieht dabei die eigentlichen Hebel.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie man Outbound besser macht.
Sondern ob man es richtig einordnet.

Fazit: B2B Outbound beginnt nicht am Anfang

Der Funnel ist nicht plötzlich verschwunden. Aber er beschreibt die Realität nicht mehr ausreichend.

Kaufentscheidungen entstehen heute nicht in klaren Phasen, sondern in dynamischen, vernetzten Prozessen. Sie verlaufen in Schleifen, entwickeln sich über Zeit und werden von einer Vielzahl von Einflüssen geprägt, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen.

Go-to-Market muss dieser Realität gerecht werden. Und Outbound ist ein Teil davon. Aber nicht als Startpunkt. Sondern als gezielter Eingriff in einen Prozess, der längst läuft.

Wer das versteht, wird Outbound anders einsetzen. Präziser. Kontextbezogener. Wirksamer. Und vor allem: näher an der Realität dessen, was auf Käuferseite tatsächlich passiert.

Wenn Pipeline-Strukturen funktionieren, wird der Abschluss nicht erzwungen. Er wird zur logischen Konsequenz.

Deniz Dallar
Growth Consultant, Vangates GmbH

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FAQ

Häufig gestellte Fragen

Falls Sie Ihre Frage hier nicht finden können, melden Sie sich einfach über unser Kontaktformular.

Braucht Outbound im B2B überhaupt noch einen Funnel?

Nein – zumindest nicht im klassischen Sinne. Der Funnel unterstellt eine lineare Buyer Journey, die es so kaum noch gibt. Kaufentscheidungen entstehen heute verteilt über verschiedene Kanäle, Touchpoints und Zeitpunkte. Outbound funktioniert besser, wenn es als Teil eines dynamischen Systems verstanden wird, das auf bestehende Entscheidungsprozesse reagiert, statt sie zu starten.

Wie verändert das Looping die Go-to-Market-Strategien?

Go-to-Market muss weg von starren Phasenmodellen hin zu einem flexiblen, signalbasierten Ansatz. Statt zu versuchen, Käufer durch einen Funnel zu führen, geht es darum, relevante Momente zu erkennen und dort präsent zu sein. Das betrifft Marketing, Vertrieb und Outbound gleichermaßen – sie müssen enger zusammenspielen und sich an realem Verhalten orientieren, nicht an Modelllogik.

Sind „kalte Leads“ im Outbound überhaupt noch relevant?

Der Begriff ist zunehmend irreführend. Auch wenn ein Kontakt neu im CRM ist, heißt das nicht, dass er uninformiert ist. Viele potenzielle Kunden haben bereits recherchiert, verglichen und sich eine Meinung gebildet. Outbound trifft heute selten auf wirklich „kalte“ Leads – sondern auf informierte Entscheider mit Kontext.

Warum funktionieren klassische Outbound-Sequenzen oft schlechter als früher?

Weil sie meist auf falschen Annahmen basieren. Viele Sequenzen gehen davon aus, dass sie Aufmerksamkeit erzeugen und Interesse aufbauen müssen. In der Realität haben viele Empfänger diesen Schritt bereits hinter sich. Ohne Kontext, Timing und echte Relevanz wirken solche Nachrichten generisch – unabhängig davon, wie gut sie formuliert sind.

Was macht modernes Outbound im KI-Zeitalter erfolgreich?

Erfolgreiches Outbound basiert heute auf drei Dingen: Kontext, Timing und Systemdenken. Es nutzt Signale, um relevante Situationen zu erkennen, spricht spezifische Probleme an und ist Teil eines größeren Systems aus Touchpoints und Kommunikation. Entscheidend ist nicht die einzelne Nachricht, sondern wie gut Outbound in bestehende Entscheidungsprozesse integriert ist.